Toxische Führungskultur im KSK

[…] »Wer eine abgeschottete, geheime, kampforientierte Spezialeinheit bildet, zieht Rechte und Rechtsextreme regelrecht an«, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Tobias Pflüger. Die jetzt verkündete Teilauflösung löse das Grundproblem nicht: »Die Ministerin bleibt Getriebene und ist nicht Akteurin.« Ein Blick in das Papier lasse nur altbekannte Maßnahmen wie Umstrukturierungen, neue Stellen, Lehrgänge und eine reformierte Öffentlichkeitsarbeit erkennen.

Aus: Neues Deutschland, 1.7.2020

Rechte Strukturen im Kommando Spezialkräfte (KSK) und der Bundeswehr bleiben ein Problem

Pressemitteilung von Tobias Pflüger, 01. Juli 2020

„Auch der heute vorgelegte Maßnahmenkatalog der Ministerin löst das strukturelle Problem des Kommando Spezialkräfte (KSK) nicht. Wer eine abgeschottete, geheime, kampforientierte Spezialeinheit bildet, zieht Rechte und Rechtsextreme regelrecht an. Die jetzt verkündete Teilauflösung geht das Grundproblem damit nicht an. Die Ministerin bleibt Getriebene und ist nicht Akteurin“, erklärt Tobias Pflüger, verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, anlässlich des heutigen Auftritts der Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer vor dem Verteidigungsausschuss. Pflüger weiter:

„Die Ministerin muss nun aufklären, wo sich die enorme Anzahl der ‚verschwundenen‘ Waffen- und Munitionsvorräte (60.000) befindet und wie viele sich davon in Händen von rechten oder rechtsextremen Akteuren befinden. Zugleich wird klar, dass nun die weiteren rechten Netzwerke in und rund um die Bundeswehr angegangen werden müssen – beispielsweise im Bereich der Reservisten. Da helfen Andeutungen der Ministerin wenig, auch da muss jetzt durchgegriffen werden.“

Quelle: https://www.linksfraktion.de/presse/pressemitteilungen/detail/rechte-strukturen-im-kommando-spezialkraefte-ksk-und-der-bundeswehr-bleiben-ein-problem/

 

Radio Z-Beitrag: „Das KSK ist durchsetzt von rechten Akteuren und muss komplett aufgelöst werden“

Skandale mit extrem rechten Tendenzen gabs bei der Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte, kurz KSK, schon lange. Doch nun häufen sie sich so stark, dass etwas getan wird. Zumindest ein bisschen. Es soll Strukturreformen geben, und Teilauflösungen. Konsequenzen, die Tobias Pflüger, dem verteidigungspolitischen Sprecher der Linkspartei nicht reichen.

Das Interview zum Hören:

Hitler-Gruß, Neonazi-Chiffres, verschwundener Sprengstoff, rechte Netzwerke. Das Kommando Spezialkräfte, KSK, die Elitetruppe der Bundeswehr sorgt mit seinen jüngsten Skandalen für Diskussionen. Nirgendwo in der Bundeswehr gibt es mehr extrem rechte Vorfälle als beim KSK. Neu ist das nicht, doch nach einem Brandbrief eines KSK-Hauptmanns an Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer persönlich, soll es nun eine Strukturreform fürs KSK geben. Das reicht nicht, meint Tobias Pflüger. Er ist verteidigungspolitischer Sprecher und stellvertretender Parteivorsitzender der Linkspartei und Mitbegründer der Informationsstelle Militarisierung (IMI). Und er beschäftigt sich schon viele Jahre mit dem Kommando Spezialkräfte. Heike Demmel hat mit Tobias Pflüger über rechte Strukturen beim KSK und die geplante Reform gesprochen.

Pflüger: Rechte Bundeswehr-Netzwerke gehören aufgelöst

Mi 01.07.2020, 07:05, zum Audio-Interview

Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) plant eine Teilauflösung des KSK nach massiven Vorwürfen rechtsextremistischer Tendenzen. Für Tobias Pflüger ist dies aber nur die Speerspitze des Problems, so der stellvertretende Parteivorsitzende der Linken und Mitglied im Verteidigungsausschuss des Bundestages.

Besonders im Bereich der Ausbildung hätten sich rechte, rechtsextreme und neonazistische Akteur*innen festgesetzt, so Pflüger. „Toxic Leadership“, wörtlich „giftige Führung“, beschreibt dabei einen Führungsstil mit verfassungsfeindlicher Gesinnung innerhalb der Truppe.

Die Teilauflösung des KSK sei „folgerichtig“, sagte Pflüger. Doch das Problem beim KSK sei nur eine Speerspitze und nach wie vor ungelöst. Innerhalb der Bundeswehr hätten sich rechtsextreme Netzwerke gebildet, diese stünden zudem im Verdacht, Munition in hoher Stückzahl entwendet zu haben. Einige rechtsgesinnte Akteure des KSK seien zudem weiterhin auf verantwortungsvollen Posten innerhalb der Bundeswehr zu finden. Es müsse schnell gehandelt werden, so der Linken-Politiker.

Aus: rbb inforadio, 1.7.2020

KSK wird in Teilen aufgelöst

[…] »Das Kommando Spezialkräfte ist offensichtlich durchsetzt von rechten Akteuren, und es zeigt sich, dass der Hinweis, dass sich beim KSK rechte Netzwerke befinden, mehr als zutreffend war und ist«, sagte der verteidigungspolitische Sprecher der Linken im Bundestag Tobias Pflüger. »Nach allem, was in den vergangenen Wochen über Rechtsextreme beim KSK bekannt geworden ist, wäre es besser, einen Schlussstrich zu ziehen und das Kapitel KSK ein für alle Mal zu schließen.« […]

Aus: Neues Deutschland, 1.7.2020