Ampel: Wertebasiert aufrüsten

Ein Kommentar zum außenpolitischen Teil des Ampel-Sondierungs-Papier vom 15.10.2021

von Tobias Pflüger *

Es kam, wie es kommen musste. Die absehbare Ampelkoalition wird, geht es nach dem Sondierungspapier eine neue Außen- und Militärpolitik vorlegen, die es in sich haben wird. Es ist von einer „wertebasierten und europäischen Außen-, Sicherheits- und Entwicklungspolitik die Rede. Was das heißt, wird klar benannt: „Wir werden deshalb deutsche Interessen im Lichte der europäischen Interessen definieren.“ „Die strategische Souveränität Europas wollen wir erhöhen.“ „Wir treten für eine verstärkte Zusammenarbeit der nationalen europäischen Armeen ein.“ Übersetzt heißt das, dass via EU „deutsche Interessen“ auch militärisch durchgesetzt werden sollen: Es wird wohl eine weitere Verlagerung der militärischen Ambitionen Deutschlands hin zur EU geben. Wobei das Bekenntnis zur NATO natürlich nicht fehlen darf: „Das transatlantische Bündnis ist dabei zentraler Pfeiler und die NATO unverzichtbarerer Teil unserer Sicherheit.“ Die Auslandseinsätze der Bundeswehr sollen vorerst nicht reduziert werden. Die Investitionen in die Bundeswehr werden extra benannt: „Unsere Soldatinnen und Soldaten leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Internationalen Sicherheit. Wir verbessern ihre Ausrüstung wie auch die der Bundeswehr.“ Übersetzt heißt das, dass die Steigerung des Militärhaushaltes wohl weitergehen Weiterlesen

Zum „Großen Zapfenstreich“

Zum Großen Zapfenstreich zum Ende des Afghanistan-Einsatzes erklärt Tobias Pflüger, stellvertretender Vorsitzender der Partei DIE LINKE:

„Dieser Große Zapfenstreich ist völlig deplatziert. Der Afghanistan-Einsatz ist komplett gescheitert. Da gibt es nichts zu „feiern“ mit einem großen Zapfenstreich. Der Einsatz hat Afghanistan keinen Frieden gebracht. Jahrelang haben die Bundeswehr und die jeweiligen Bundesregierungen an der Behauptung festgehalten, dass der Bundeswehreinsatz das Land nachhaltig verändert habe. Das schnelle Vorrücken der Taliban und der Fall von Kabul zeigen deutlich, dass das eine einzige große Illusion war.

Nach 20 Jahren bleibt die ernüchternde Bilanz: Alle Investitionen in die afghanische Armee waren letztlich rausgeschmissenes Geld. Und dann hat die Bundesregierung auch noch beim Abzug völlig versagt. Die afghanischen Helfer*innen der Bundeswehr wurden weitestgehend schmählich im Stich gelassen. Auf dem Flughafen Kabul kam es deshalb zu einem humanitären Desaster. Dafür trägt die Bundesregierung die Verantwortung.

Der Einsatz der Bundeswehr in Afghanistan war auch ein Kriegseinsatz mit allen schrecklichen Konsequenzen. 59 deutsche Bundeswehr-Soldaten kamen dabei ums Leben. Der Tiefpunkt war das Massaker von Kundus, als ein deutscher Offizier zahlreiche afghanische Zivilistinnen und Zivilisten bombardieren ließ. Insofern ist jetzt eine grundlegende Aufarbeitung der verschiedenen Einsätze in Afghanistan dringend nötig, doch Weiterlesen

„Ein Desaster und eine heftige Niederlage“

Erklärung von Tobias Pflüger zum Ergebnis der Bundestagswahl 2021:

Hallo zusammen,

das Bundestagswahlergebnis für DIE LINKE ist ein Desaster und eine heftige Niederlage. Die Ergebnisse sind bundesweit desaströs. In meinem Wahlkreis Freiburg hat DIE LINKE zwar überdurchschnittlich abgeschnitten, aber auch da deutlich verloren.

Auch ich persönlich werde dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören. Die neue, deutlich kleinere LINKE-Fraktion traf sich heute, um nun in die neue Legislaturperiode zu starten.

Bei allen Wählerinnen und Wählern der LINKEN und von mir als Bundestagskandidat, bei allen (Wahlkampf)-Unterstützerinnen und -Unterstützern will ich mich herzlich bedanken.

Danken für die gemeinsame Zeit und Zusammenarbeit will ich meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Wie es mit mir persönlich weiter geht, weiß ich einfach noch nicht. Es ist alles offen.

Das (ehrenamtliche) Amt als stellvertretender Vorsitzender der LINKEN werde ich nach jetzigem Stand noch weiter ausüben.

Die Kämpfe insbesondere im sozialen, ökologischen und Friedensbereich werden nach meinem Eindruck eher noch härter werden die nächste Zeit.

Welche Rolle ich persönlich dabei spielen werde, werden wir sehen. Jetzt muss zuerst mal einiges aufgelöst und „abgewickelt“ werden (Büros etc.).

Alles Gute für die Zukunft!

Beste Grüße,

Tobias Pflüger

Sicherheitspolitische Wahlprüfsteine zur Bundestagswahl

Tobias Pflüger beantwortet die „Sicherheitspolitischen Wahlprüfsteine“ für die Bundestagswahl 2021 der Gesellschaft für Sicherheitspolitik. Das sind die Fragen:

1. Deutschlands Rolle in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik wird unterschiedlich beurteilt. Einige argumentieren das Land habe seine Rolle gefunden und agiere seinem Gewicht entsprechend, andere verlangen mehr Verantwortung und Führung in sicherheitspolitischen Fragen. Sehen Sie Bedarf für eine Art Generalinventur bzw. Generalüberholung deutscher Sicherheitspolitik und was wären die zentralen Baustellen und Maßnahmen?

2. Die Bundeswehr steht abermals vor großen Umbrüchen und Reformen. Wie sehen Sie die Zukunft der Bundeswehr? Welche Strukturveränderungen sind notwendig? Welche Finanzmittel halten Sie für erforderlich? Brauchen wir einen Mentalitätswandel?

3. „Großmachtpolitik ist zurück“ betitelte die New York Times im November 2020 einen Artikel anlässlich des Friedensvertrags im Berg-Karabach-Konflikt, an dem Russland und die Türkei mitgearbeitet hatten. Deutlicher noch sieht man die Rückkehr der Großmachtpolitik, wenn man die USA und China, potentielle Kriegsszenarien oder Themen wie das Südchinesische Meer, Taiwan, freien Handel, Wahlbeeinflussung oder Russlands Annexion der Krim betrachtet. Welche Rolle sollte Deutschland in diesem aufkommenden Konzert der Großmächte einnehmen?

Quelle: Gesellschaft für Sicherheitspolitik e.V.

Aukus-Pakt befeuert neuen Kalten Krieg

Von Tobias Pflüger, 22.09.2021

Es ist schon ein bemerkenswerter Vorgang, der sich da abspielt zwischen den USA, Großbritannien und Australien einerseits und Frankreich andererseits. Die USA und Großbritannien haben ein Militärbündnis mit Australien gegen China geschlossen. Ein Teil davon ist, dass Australien Atom-U-Boote aus den USA bekommen soll und einen schon vereinbarten U-Boot-Deal mit Frankreich in Höhe von circa 40-50 Milliarden Euro einfach platzen lässt. Die französische Regierung ruft ihre Botschafter aus den USA und Australien zurück und cancelt Treffen mit dem britischen Verteidigungsminister. Frankreich hinterfragt die Zusammenarbeit innerhalb der NATO, ja die Zukunft der NATO an sich wird von Paris infrage gestellt. So viel im Übrigen zu angeblich notwendigen NATO-Bekenntnissen vor der Wahl in der Bundesrepublik.

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Ausbau ziviler Strukturen statt neue EU-Einsatztruppe

Zu den Plänen der Verteidigungsministerin neue EU-Auslandseinsätze durch „Koalitionen von Willigen“ zu bestreiten, erklärt Tobias Pflüger, verteidigungspolitischer Sprecher der LINKFRAKTION im Bundestag gegenüber der Tageszeitung „Neues Deutschland“:

„Nun eine weitere EU-Truppe und Struktur auf EU-Ebene einzuführen ist die völlig falsche Schlussfolgerung aus dem angerichteten Desaster in Afghanistan. Es braucht nicht noch mehr Militärstrukturen, sondern ein andere Herangehensweise. Wer glaubt, es würde besser, wenn nun die Soldaten statt Blau mit Stern, Hellblau mit vielen Sternen tragen, täuscht sich. Das ist das selbe in Grün. Eine künftige Bundesregierung muss endlich beginnen nicht immer nur an das militärische Schwert zu denken, wie wäre es mit einem massiven Ausbau ziviler Strukturen?“

Hier der vollständige Bericht in Neues Deutschland, Print-Ausgabe vom 20.09.21, Seite 1

 

LINKE fordert Untersuchungsausschuss zum KSK

Auch rund um das 25 Jubiläum der Eliteeinheit „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) der Bundeswehr werden rechtsradikalen Vorfällen in der Truppe bekannt. Tobias Pflüger sieht die strukturellen Probleme weiterhin bestehen und fordert einen Untersuchungsausschuss zum KSK und dessen Auflösung. Im Pressespiegel:

[…] Ich fordere weiterhin die Auflösung des KSK«, sagte er [Tobias Pflüger] am Donnerstag gegenüber jW. Wenn man auf die Geschichte der Einheit zurückblicke, sehe man »eine Serie verschiedenster Skandale, die trotz strengster Geheimhaltung und Intransparenz an die Öffentlichkeit kamen«. Er sei von Anfang an »ein entschiedener Kritiker dieser elitären Einheit«gewesen und habe seit der Gründung darauf hingewiesen, »dass eine Einheit wie das KSK auch Neonazis anzieht«, so der Verteidigungsexperte. Schon vor 20 Jahren habe es militante, rechte Netzwerke gegeben, und schon damals seien »diese vertuscht und verharmlost« worden. »Schon in den 2000er Jahren haben KSK-Soldaten im Ausland gefoltert und hier in Deutschland politische Gegner bedroht – straflos. Ja, sie konnten sogar noch weiter aufsteigen im KSK.«

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Tobias Pflüger im SWR-Kandidatencheck

Der SWR hat alle Kandidatinnen und Kandidaten zur Bundestagswahl 2021 in Baden-Württemberg befragt. Hier die Antworten von Tobias Pflüger:

Was wird aus Ihrer Sicht die größte gesellschaftspolitische Herausforderung der nächsten vier Jahre sein?

Tobias Pflüger: Es wird eine gesellschaftliche Transformation geben müssen, so dass durch den Klimawandel nicht noch mehr zerstört wird. Dies schließt die Art und Weise ein, wie produziert wird. Die Schere zwischen Arm und Reich muss geschlossen werden, sowohl innerhalb der Bundesrepublik als auch weltweit. Menschen mit wenig oder gar nichts müssen entlastet, Reiche belastet werden. Umverteilung ist notwendig. Die enorm hohen Rüstungsausgaben müssen entscheidend reduziert werden, auch in der Bundesrepublik.

Welche Lehren ziehen Sie aus der Corona-Krise für künftige politische Entscheidungen?

Tobias Pflüger: Erstens braucht es ein besseres Gesundheitssystem. Es braucht mehr und besser bezahlte Beschäftigte dort. Zweitens müssen die politischen Prioritäten grundlegend verändert werden. Derzeit werden von CDU/CSU, SPD, die die Bundesregierung stellen Unsummen in Rüstung und Militär gesteckt (20 Mrd. Euro allein in der letzten Sitzungswoche in Rüstungsprojekte wie das hunderte Milliarden teure Kampfflugzeugprojekt „Future Combat Air System“) statt sie sinnvoll einzusetzen für Gesundheit, Bildung etc.

Was möchten Sie für Baden-Württemberg – oder für Ihren Wahlkreis – im Bundestag erreichen?

Tobias Pflüger: Gegen Wohnungsnot (insbesondere in Freiburg), z.B. durch einen bundesweiten Mietendeckel und eine nachprüfbare Mietpreisbremse, für Weiterlesen

„Der Klimaschutz muss jetzt politisch angegangen werden“

Der Dreisamtäler hat alle in deutschen Parlamenten vertretenen Parteien angeschrieben und sie um die Beantwortung folgender Fragen gebeten:

 

  1. Ist der Klimaschutz wichtig für Sie? Wenn ja: wie wollen Sie ihn vorantreiben?
  2. Angesichts der Coronapandemie, der verheerenden Hochwasserkatastrophe und der anstehenden Investitionen für den Klimaschutz: Halten sie an der schwarzen Null fest? Wie soll unser Wirtschaftssystem in Zukunft aussehen?
  3. Wie wollen Sie bezahlbaren Wohnraum schaffen?
  4. Die soziale Schere in unserer Gesellschaft geht immer weiter auseinander – wie wollen Sie darauf reagieren?

Tobias Pflüger hat darauf geantwortet:

1.) Klimaschutz

Klimaschutz müsse jetzt angegangen werden, sowohl individuell als auch politisch. Das sei eine Überlebensfrage und es werde jetzt darüber entschieden, ob weite Teile des Planeten noch bewohnbar sein werden, ist Tobias Pflüger überzeugt. Konzernen, die einen hohen CO2- Ausstoß verursachen, müssten klare Vorgaben gemacht werden. Für Die Linke ist Klimagerechtigkeit von zentraler Bedeutung. Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit müssten zusammen gedacht werden. Die Linke habe ein umfangreiches Paket von Forderungen entwickelt: das Klima dürfe sich nicht um mehr als 1,5 Grad erwärmen und der Ausstieg aus dem Verbrauch fossiler Energieträger müsse 2030 abgeschlossen sein. Dazu seien große Investitionen in den Bereich des ÖPNV zum Erhalt der Mobilität und in eine klimaneutrale Infrastruktur nötig. Verbrennungsmotoren müssten der Vergangenheit angehören. Konkret hat Pflüger sich immer für den Ausbau der Bahnstrecken eingesetzt, insbesondere die zwischen Freiburg-Colmar.

2.) Schwarze Null

Die Schuldenbremse war und ist ein Fehler, konstatiert Pflüger, dadurch würden notwendige staatliche Investitionen verhindert. Mitten in der Corona-Pandemie habe die Bundesregierung die Rekordsumme von über 56 Milliarden Euro fürs Militär ausgegeben, Geld, das in anderen Bereichen wie dem Gesundheitswesen oder für Weiterlesen

Treffen mit dem afghanischen Botschafter

Besuch vom afghanischen Botschafter Yama Yari: Als Vorsitzender der Deutsch-Südasiatischen Parlamentariergruppe des Bundestags hatte ich ein interessantes Gespräch mit dem afghanischen Botschafter über die aktuelle Lage in seinem Land.

Die Situation vor Ort ist chaotisch und offensichtlich sind viele Menschen konkret gefährdet. Wie werden sich die Taliban an der Macht verhalten?

Afghanistan darf nicht in einen neuen Bürgerkrieg abgleiten. Die Bundesregierung muss jetzt den ‚Ortskräften‘ und vielen anderen Gefährdeten wirklich helfen und endlich vor allem ihre restriktive Aufnahmepolitik stoppen. Das heißt konkret auch, dass auch Menschen geholfen werden muss, die andere Fluchtwege nutzen und die sich für Demokratie in Afghanistan eingesetzt haben.

Vielen Dank an Botschafter Yama Yari für die Einblicke in sein Land und in die Arbeit der Botschaft, die ja auch für hunderttausende Afghan:innen in Deutschland zuständig ist.

Mit diesem Mandat setzt die Bundesregierung ihre unsägliche Afghanistanpolitik fort

Erklärung von Tobias Pflüger, 25.08.2021

Wir sind dafür, dass nun endlich Menschen aus Afghanistan evakuiert werden. Die Bundesregierung, namentlich Heiko Maas (SPD) und Annegret Kamp-Karrenbauer (CDU) hätten schon sehr viel früher grünes Licht für die Mitnahme z.B. von Ortskräften der Bundeswehr beim Abzug der Soldatinnen und Soldaten geben können. Stattdessen gab es Verweise auf die International Organisation of Migraton (IOM) und bürokratische Hürden (wie die Aufnahme biometrischer Daten in Kabul!). Rest-Bier und Gedenksteine wurden mit ausgeflogen, Ortskräfte kaum. Ein Großteil der Personen, die gerettet werden müssen, wurden und werden so ihrem womöglich tödlichen Schicksal überlassen.

Der Kreis der Personen, die ausgeflogen werden müssen, muss deutlich ausgeweitet werden:

Es geht um

– (ehemalige) Ortskräfte der Bundeswehr, aber nicht nur solche ab 2013, sondern um alle ehemaligen Ortskräfte während der gesamten Dauer des Afghanistan-Einsatzes.

– (ehemalige) Ortskräfte von staatlichen und zivilen Hilfs- und Entwicklungshilfs-Organisationen und von Menschen, die bei und mit NGOs und Medien in Afghanistan gearbeitet haben und konkret gefährdet sind.

– Menschen, die die letzten Jahre sich für Demokratie und Menschenrechte in Afghanistan eingesetzt haben, auch solche, die gegenüber den NATO-Truppen (sehr) kritisch waren.

Auf bürokratische Hürden wie angeblich fehlende Nachweise, „Sperrvermerke“, ‚zu alt für die „Kernfamilie“‚ etc. muss bei Weiterlesen

„De facto ein Kampfeinsatz für Gesamt-Afghanistan“

Evakuierungen aus Afghanistan sind dringend nötig. Ja, der Kreis der Personen, die ausgeflogen werden, muss sogar deutlich ausgeweitet werden. Das Bundeswehr-Mandat, wie es vom Verteidigungsministerium formuliert wurde, ist aber so nicht zustimmungsfähig.

Meine Bedenken dagegen sind heute im Verteidigungsausschuss nicht ausgeräumt worden. Mehr dazu in meinem Pressestatement nach der heutigen Sondersitzung:

Zum Gedenken an die zwang­sein­ge­zo­ge­nen Elsäs­ser und Mosel­la­ner

Gruß­wort von Tobias PFLÜGER, Bundes­tag­sab­geord­ne­ter der LINKEN

24.08.2021

Mes chers amis,

Leider kann ich heute nicht persön­lich bei Euch sein, weil ich in Berlin bei einer drin­gen­den Sitzung des Bundes­tages u.a. zu den Evakuie­run­gen aus Afgha­nis­tan sein muss. Herz­lich möchte ich mich bedan­ken für die Einla­dung zu dieser Gedenk­ve­rans­tal­tung und für die Gele­gen­heit ein paar Worte an Euch zu rich­ten.

Deut­schland hat im Zwei­ten Welt­krieg viel Schuld auf sich gela­den. Am 25. August 1942 wurden zahl­reiche Elsäs­ser und Mosel­la­ner zwang­sein­ge­zo­gen in die deut­sche Wehr­macht. Ich will in aller Deut­li­ch­keit beto­nen, dass diese jungen Männer nicht frei­willig in den Krieg gezo­gen sind. 500 junge Männer wurden von den Deut­schen hinge­rich­tet, weil sie sich gegen diese Zwang­sre­kru­tie­rung ­ge­wehrt haben. Auch die Fami­lien waren durch die Sippen­haf­tung gefähr­det. Über 40.000 der Zwang­sein­ge­zo­ge­nen konn­ten nicht mehr zu ihren Fami­lien zurü­ck­keh­ren. Sie waren Väter, Onkel und Cousins.

Den Kindern, die ohne ihre Väter aufwach­sen muss­ten, ist mehr­faches Leid wieder­fah­ren.

Deut­schland hat sich mittels des Deutsch-franzö­si­schen Abkom­men von 1981 mit der einma­li­gen Zahlung von gerade einmal 250 Millio­nen DM versucht frei­zu­kau­fen. Die Bundes­re­gie­rung ist der Ansicht keine weite­ren Entschä­di­gun­gen mehr leis­ten zu müssen. Ledi­glich dieje­ni­gen, die daue­rhaft­ ge­sund­heit­lich Weiterlesen

Briefing nach den Sitzungen des Verteidigungs- und Auswärtigen Ausschusses am 17.08.2021 zur Situation in Afghanistan und den (laufenden) Evakuierungen

Briefing nach den Sitzungen des Verteidigungs- und Auswärtigen Ausschusses am 17.08.2021 zur Situation in Afghanistan und den
(laufenden) Evakuierungen

1. Weder Außenminister Heiko Maas noch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) konnten schlüssig erklären, warum die Evakuierungen nicht früher begonnen wurden und warum nicht mehr Ortskräfte beim Abzug der Bundeswehr mitgenommen wurden. AKK gab den indirekten Hinweis auf das Bundesinnenministerium. So wurde insbesondere von Seiten des Bundesinnenministeriums (aber auch vom Auswärtigen Amt) auf formalen Kriterien (biometrische Daten mussten in Kabul aufgenommen
werden) lange beharrt. Die Fälle, die sich bei der IOM (International Organization for Migration) in Kabul nach Aufforderung gemeldet und registriert haben, lagern da offensichtlich unbearbeitet bis heute.

Wir fordern ja richtigerweise nicht nur eine Aufnahme der Ortskräfte der Bundeswehr (und hier nicht nur seit 2013, sondern auch davor), sondern auch von Ortskräften staatlicher und ziviler Entwicklungs- und Hilfsorganisationen sowie von Mitarbeitenden von Medien. Mit gemeint sind dabei immer auch die Familien der Ortskräfte. Selbst gegenüber dem Verteidigungsausschuss kam die Formulierung, schon bei den bisher benannten Ortskräften käme die Mehrzahl aus dem Bereich des BMZ (Entwicklungshilfeministerium).

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Zur dramatischen Lage in Afghanistan

Afghanistan: Deutschland für Katastrophe mit verantwortlich

LINKEN-Presseerklärung von Tobias Pflüger, 17.08.2021

Vor der Sitzung des Verteidigungsausschusses zur aktuellen Lage in Afghanistan erklärt Tobias Pflüger, stellvertretender Parteivorsitzender der LINKEN und verteidigungspolitischer Sprecher der LINKEN im Bundestag:

Die Bundesregierung hat bei der Evakuierung schutzsuchender Menschen aus Afghanistan auf ganzer Linie versagt. Die chaotischen Szenen am Kabuler Flughafen hat auch das Außenministerium mit seiner Hinhaltepolitik mitzuverantworten. Das begann mit einem bürokratischen Verfahren, im Zuge dessen Menschen trotz Kriegswirren nach Kabul kommen mussten, um biometrische Daten aufzunehmen und Anträge zu stellen. Mit engen Kriterien und wenig Empathie wurde selbst ehemaligen Ortskräften der Bundeswehr die Möglichkeit, nach Deutschland aufgenommen zu werden, vielfach verbaut.

Das Auswärtige Amt hat es, trotz eines entsprechenden Auftrags des Kabinetts, wochenlang versäumt, Evakuierungspläne vorzulegen. Dadurch wurde wertvolle Zeit verloren.

Die Bundeswehr hat bei ihrem Abzug aus Afghanistan zwar Rest-Bier und Gedenksteine „gerettet“, aber kaum Ortskräfte. Das ist und bleibt skandalös. Der Schlamassel, der jetzt besteht, ist also sehenden Auges von der Bundesregierung in Kauf genommen worden.

Wichtig ist es jetzt, unbürokratisch und direkt den Menschen zu helfen, die gefährdet sind. Das sind nicht nur diejenigen, die mit der einen oder anderen westlichen staatlichen Organisation zusammengearbeitet haben. Diese Gefährdung besteht für sehr viele Menschen Weiterlesen

Kriegseinsätze sind offensichtlich kontraproduktiv

Tobias Pflüger zur Diskussion um den Bundeswehr-Einsatz in Mali: 

Die Situation in Mali verschlechtert sich immer weiter. Daran ändern die  Bundeswehreinsätze nichts, die bisherigen französischen Kriegseinsätze (bisher Barkhane) sind offensichtlich kontraproduktiv und eskalieren die Situation weiter. Zunehmend sind die stationierten Bundeswehrsoldaten immer gefährdeter, darauf haben wir wiederholt hingewiesen.

Wir forderten schon bisher ein Ende der Bundeswehreinsätze, nach dem schlimmen Anschlag gegen Bundeswehrsoldaten tun wir dies erneut.

Die Bundeswehr-Einsätze (EUTM Mali und MINUSMA) in Mali wurden mit den letzten Mandatserteilungen leider ausgeweitet statt beendet, dies obwohl es in Mali einen Putsch im Putsch gegeben hat und offensichtlich von malischer „Regierungs“-Seite nichts unternommen wird, um zu einer Befriedigung der Situation zu kommen, im Gegenteil.

Mali-Einsatz beenden, nicht ausweiten

Tobias Pflüger zur Diskussion um den Bundeswehr-Einsatz in Mali: 

DIE LINKE fordert – nicht erst seit dem Anschlag gegen Bundeswehrsoldaten – den Abzug der Bundeswehr aus Mali. Die Bundesregierung weitet gerade den Bundeswehreinsatz aus auf die gesamte Sahelregion. Dass es in Mali zum Putsch im Putsch gekommen ist und im Tschad einfach der Sohn des Autokraten Deby übernommen hat, stört die ‚Demokratiefreunde‘ nicht. Die französische Regierung wird vermutlich den ‚Antiterror‘-Einsatz Barkhane umbenennen und irgendwie fortführen. Mit der neuen Mission Takuba werden zudem europäische Verbündete mit ins Boot geholt.

Und die Bundesregierung, macht einfach weiter wie bisher. Die Bundeswehreinsätze in Mali sind falsch und gefährlich, sie sind nichts anderes als Ko-Nach-Kolonialeinsätze zum Agieren Frankreichs in der Sahelregion. Flüchtlingsabwehr und nach-koloniale Präsenz sind die eigentlichen Gründe für die Präsenz Frankreichs und seiner Verbündeten. DIE LINKE sagt, spätestens jetzt nach dem schlimmen Anschlag gegen Bundeswehrsoldaten müssen die Bundeswehreinsätze in Mali und der Sahelregion beendet statt ausgeweitet werden.

Am Mittwochmorgen um 8 Uhr findet eine Sondersitzung des Verteidigungsausschusses zu Mali statt.

„Fridays for Future ist für mich ein wichtiger Bündnispartner“

Die Linke Baden-Württemberg hat vor der Listenvertreter:innenversammlung am Sonntag, den 09.Mai, vier Regionalkonferenzen abgehalten, bei denen sich die Kandidierenden vorstellen konnten. Es kamen so viele Fragen, dass nicht alle bei den Treffen beantwortet werden konnten. Hier die Antworten von Tobias Pflüger:

„Es geht um neue Kriegsführung und Aufrüstung“

Stellungnahme von Tobias Pflüger zum Aufstockung der US-Truppen in Deutschland, 14.04.2021

Dass nun nach früheren Ankündigungen unter Präsident Trump, unter Präsident Biden die in Deutschland stationierten US-Soldat:innen sogar noch aufgestockt werden sollen, kritisieren wir deutlich. Der neue Verteidigungsminister Lloyd Austin teilte diese Aufstockung nun beim Besuch seiner Amtskollegin Annegret Kamp-Karrenbauer mit.

Interessant ist, dass vor allem „Kräfte zur Cyber-Abwehr“ und „elektronischen Kriegsführung in Europa“ ausgebaut werden sollen. Es geht also um neue Kriegsführung und um Aufrüstung, Aufrüstung auch gegen Russland. Für DIE LINKE kann ich erneut betonen, dass wir einen vollständigen Abzug der US-Soldat:innen fordern und gegen eine Aufstockung sind.

Mehr dazu in Telepolis: https://www.heise.de/tp/features/US-Truppenaufstockung-fuer-neue-Runde-im-kalten-Krieg-6016179.html

Die Eurodrohne ist keine Aufklärungsdrohne

Pressestatement von Tobias Pflüger

Trotz massiver Kritik des Finanzministeriums hat der Verteidigungsausschuss heute mehrheitlich die Eurodrohne beschlossen. Damit erwirbt Deutschland die Fähigkeit zum Drohnenkrieg.

Die Eurodrohne ist keine Aufklärungsdrohne, auch wenn sie vorerst in Deutschland ohne Munition angeschafft wird. Aus den Unterlagen geht klar hervor: Sie ist von Anfang an bewaffnet geplant und wird auch so gebaut und angeschafft in Kooperation mit anderen EU-Staaten, die sie auch bewaffnen werden. DIE LINKE lehnt die Eurodrohne ab.

Die SPD darf der Eurodrohne nicht zustimmen

Pressestatement von Tobias Pflüger

Finanzminister Olaf Scholz hat massive Bedenken gegen die Eurodrohne: Das Finanzministerium kritisiert den Vertrag als risikoreich und nicht gegenfinanziert. Wenn Scholz das ernst meint, dann muss die SPD der Eurodrohne im Verteidigungs- und Haushaltsausschuss ihre Zustimmung verweigern. Es kann nicht sein, dass die Sozialdemokraten jegliche Verantwortung an das CDU-geführte Verteidigungsministerium abschieben. Als Regierungspartei steht die SPD in der Mitverantwortung, insofern geht die Aufforderung an die SPD, Vorlagen zur Eurodrohne nicht mit zu beschließen.

Die Eurodrohne wird Milliarden kosten. Und sie ist keine reine Aufklärungsdrohne, wie die Koalition behauptet, sondern eine von Anfang an bewaffnet geplante Kampfdrohne, die allerdings in Deutschland erst mal ohne Munition angeschafft werden soll. Mit der Eurodrohne erwirbt Deutschland die Fähigkeit zum Drohnenkrieg. Die Eurodrohne ist politisch und militärisch falsch, DIE LINKE lehnt die Eurodrohne ab.

Linke Oppositionsarbeit in Baden-Württemberg nun noch wichtiger

Meine Reaktion auf die Entscheidung der Grünen Baden-Württemberg weiterhin mit der CDU regieren zu wollen:

„Die Entscheidung der Grünen Baden-Württemberg für die CDU als voraussichtlicher Koalitionspartner wundert mich nicht, Kretschmann war der beste Ministerpräsident, den die CDU je hatte. Wer Grün wählt, bekommt die CDU, hatten wir als LINKE im Landtagswahlkampf gesagt, so wird es nun wieder kommen. In der CDU in Ba-Wü finden sich noch verkommenere und noch korruptere Strukturen als anderswo.

Welche fatalen Auswirkungen dieses kleinbürgerliche Parteienbündnis beispielsweise im Bereich der Wohnungspolitik hat, lässt sich an den unbezahlbaren Mieten in vielen Städten in Ba-Wü ablesen. Dieses kleinbürgerliche Parteienbündnis Grüne / CDU kann und will „Soziales“ nicht.
Weltoffenheit oder die notwendige Klimapolitik wird es mit Grüne / CDU nicht geben.

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Angriff auf linke Friedenspolitik

Linke-Politiker Matthias Höhn legt Konzept vor, das dem Parteiprogramm widerspricht

IMI-Standpunkt 2021/010 – aus: Zivilcourage 1-2021

Von Tobias Pflüger

Zum Jahresanfang hat Matthias Höhn, Bundestagsabgeordneter der Linken, ein „Diskussionsangebot“ gemacht, wie „linke Sicherheitspolitik“ künftig aussehen soll. „Linke Antworten auf der Höhe der Zeit“ forderte er in einem Positionspapier. Tatsächlich legt Matthias Höhn die Axt an zentrale friedenspolitische Positionen der Linken.

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Jugendoffiziere haben als Vertreter der Bundeswehr keine neutrale Position

Die Bundeswehr schickt immer wieder Jugendoffiziere an Schulen. Diese Praxis muss beendet werden. Kommentar von Tobias Pflüger.

Die Jugendoffiziere machen – da helfen alle gegenteiligen Erklärungen nichts – de facto Werbung für die Bundeswehr und spielen – auch wenn ihre Aufgabe offiziell nur die Information und Bildung ist – bei der Rekrutierung junger Menschen eine wichtige Rolle. Dieses Werben und Akzeptanz schaffen für die Bundeswehr, wie sie heute ist, in Schulen lehne ich ab. Deshalb bin ich dafür, dass Jugendoffiziere keinen privilegierten Zugang zu den Schulen erhalten.

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Deutsch-Französische Zusammenarbeit: Initiativen von Tobias Pflüger

Aus: Landesinfo DIE LINKE Baden-Württemberg (August 2020)

Die Linksfraktion hat mich in die Deutsch-französische Parlamentsversammlung (DFPV) entsandt. Zudem wurde ich für die Linksfraktion Mitglied im Ausschuss für grenzüberschreitende Zusammenarbeit (GRÜZ). Im GRÜZ treffen sich insbesondere Verwaltungsvertreter*innen aus Frankreich und Deutschland um Fragen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit zu besprechen. Da mein Wahlkreis Freiburg bis an die französische Grenze geht, gibt es immer wieder Fragen, die sich auf die deutsch-französische Zusammenarbeit beziehen. In Zusammenarbeit mit Initiativen und der LINKEN vor Ort habe ich in beiden Gremien insbesondere zwei Initiativen lanciert:

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Heute ist Tag der Kriegsdienstverweigerung!

In der Bundesrepublik wurde 2011 die Wehrpflicht ausgesetzt, trotzdem verweigern logischerweise immer noch Soldat*innen der Bundeswehr den Kriegsdienst. Kriegsdienstverweigerung ist ein Grundrecht (Artikel 4.3), das im übrigen älter ist als die Bundeswehr. Dieses Grundrecht ist in vielen Ländern gefährdet, auch in der Bundesrepublik.

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