„Die Bundesregierung hat die Lage in Afghanistan bis zuletzt völlig falsch eingeschätzt“

[…] „Die Bundesregierung hat die Lage in Afghanistan bis zuletzt völlig falsch eingeschätzt“, kritisierte der verteidigungspolitische Sprecher der Linksfraktion, Tobias Pflüger. „Die Fehlannahme war, dass man nur militärisch ausbilden und ausrüsten muss und dann funktioniert das schon“, sagte er der taz. Die Nato und die Bundeswehr hätten „hier regelrechte Potemkin’sche Dörfer errichtet“.

Bei dem „Knall auf Fall“-Abzug aus Afghanistan habe die Bundesregierung dann die Prioritäten allein darauf gelegt, die Bundeswehr und das militärische Gerät zurückzuholen. „Die Bundeswehr hat bei ihren Flügen raus aus Afghanistan zwar Rest-Bier und Gedenksteine mitgenommen, aber kaum Ortskräfte“, sagte Pflüger. „Das ist und bleibt skandalös.“

Wie sowohl das SPD-geführte Außenministerium wie auch das CSU-geführte Innenministerium die Lage immer wieder schöngeredet hätten, sei „unverantwortlich“, sagte Pflüger. Bis vor Kurzem habe die Bundesregierung ja sogar noch Abschiebungen nach Afghanistan vorgesehen.

Die Regierung müsse jetzt das tun, was sie schon vor und während dem Abzug hätte tun sollen: sich um alle unterstützenden Kräfte kümmern, also auch um Mit­ar­bei­te­r:in­nen bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sowie von nichtstaatlichen NGOs, Hilfs- und Entwicklungshilfeorganisationen und deutscher Medien.

Außerdem forderte Pflüger, der auch stellvertretender Vorsitzender der Linkspartei ist, es müssten nun auch Konsequenzen für einen weiteren deutschen Auslandseinsatz gezogen werden: „Nach diesem Desaster am Hindukusch kann die Bundeswehr in Mali nicht weiter machen, als sei nichts passiert.“ […]

Aus: taz, 16.08.2021