„Den Abzug hätten wir früher haben können“

[…] »Um so wichtiger ist jetzt, dass die abziehenden Staaten alles unternehmen«, um im Land eine »friedliche Transition zu ermöglichen, und gleichzeitig ihre Verantwortung gegenüber den Menschen wahrnehmen, die als Ortskräfte eng mit der Bundeswehr zusammengearbeitet haben«, erklärten die Bundestagsabgeordneten von Die Linke Christine Buchholz, Tobias Pflüger, Matthias Höhn und Alexander S. Neu am Mittwoch in einer gemeinsamen Mitteilung. Sie forderten darin »eine möglichst großzügige Regelung« für diejenigen, die Afghanistan mit den Soldaten der Bundeswehr zu verlassen wünschten. »Das hätten wir früher haben können«, kritisierte Pflüger am Mittwoch im Gespräch mit junge Welt den absehbaren Truppenabzug der Bundeswehr. Den Einsatz in Afghanistan bewertete Pflüger als »völliges Desaster«. […]

 

Zeitgleich billigte das Kabinett die Verlängerung der Bundeswehr-Beteiligung an der UN-»Blauhelm«-Mission Minusma mit unverändert bis zu 1.100 Soldaten. […] Pflüger, Mitglied im Verteidigungsausschuss, sieht zwischen beiden Auslandseinsätzen durchaus einen Zusammenhang. Gegenüber jW erklärte er, dass die BRD – dem Kommando aus Washington »hinterherhinkend« – sich aus einer »Kokolonialpolitik« in Afghanistan zurückziehe und diese nun zusammen mit Frankreich in der Sahelzone verstärke. Im Verteidigungsausschuss habe Pflüger in Richtung Bundesregierung den jüngsten Putsch im Tschad angesprochen. Ihm sei entgegnet worden, dass dieser zwar verfassungswidrig sei, dies aber nicht das Ende des Engagements der BRD in der Region bedeute. Die Bundesregierung rief dennoch am Mittwoch im Tschad lebende Deutsche zum sofortigen Verlassen des Landes auf. Sie sollten noch bestehende Flugverbindungen nutzen, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts am Mittwoch in Berlin.

Aus: junge Welt, 22.04.2021