gelöschte Daten beim KSK

Tobias Pflüger spricht von einem »Augiasstall«. Der Bundestagsabgeordnete, verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke, hat ein weiteres Detail des Dauerskandals um das Kommando Spezialkräfte (KSK) zutage befördert. Durch Pflügers hartnäckiges Nachfragen im Verteidigungsausschuss kam heraus: Das Verteidigungsministerium hat bei den Ermittlungen zur Munitionsaffäre im KSK gelöschte Daten festgestellt. Ein Oberstleutnant der Einheit steht unter dem Verdacht, die Daten zum Zwecke der Vertuschung gelöscht zu haben. Gegen den Mann läuft ein Disziplinarverfahren, wie Pflüger am Mittwoch gegenüber junge Welt bestätigte.

»Der Oberstleutnant hat offensichtlich wissentlich die bestehende Inventur von 2018 im Computersystem SASPF gelöscht, also etwas verbergen wollen«, sagte Pflüger. Das interne System wird für Inventuren benutzt. Es bereitet Zahlenmaterial auf, das dann – etwa hinsichtlich der Munitionsbestände – mit den tatsächlich in den Depots vorhandenen Beständen abgeglichen wird. Dabei müssten, so berichtete die Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch, die erheblichen Fehlbestände aufgefallen sein. Dass Tausende Schuss Munition beim KSK fehlten und der Kommandeur Markus Kreitmayr bei Rückgabe Straflosigkeit angeboten hatte, ist unter dem Stichwort »Munitionsamnestie« der aktuelle Kern des Skandals um das KSK.

Die Löschung der Daten in dem SASPF-System erschwert es, Details der Munitionswirtschaft nachzuvollziehen. Über den Vorgang hatte das Verteidigungsministerium laut dpa am 3. März die Fachpolitiker im Bundestag unterrichtet. »Anhand des Datensystems könne festgestellt werden, dass die Inventur 2018 in SASPF angelegt und dann gelöscht worden sei. Eine neue Inventur sei nicht angelegt worden«, zitierte die Agentur aus dem Protokoll der Sitzung. Die »Misere um ›fehlende‹ Waffen und Munition beim KSK« ziehe sich »seit vielen Jahren durch«, kritisierte Pflüger. Sie sei »offensichtlich strukturell bedingt« und über den ganzen Zeitraum hinweg nicht wirklich aufgeklärt worden. Offensichtlich habe es auch keinen Willen dazu gegeben. »Das KSK ist ein Augiasstall und gehört ganz aufgelöst«, betonte der Abgeordnete. […]

Aus: junge Welt, 18.03.2021