Jugendoffiziere haben als Vertreter der Bundeswehr keine neutrale Position

Die Bundeswehr schickt immer wieder Jugendoffiziere an Schulen. Diese Praxis muss beendet werden. Kommentar von Tobias Pflüger.

Die Jugendoffiziere machen – da helfen alle gegenteiligen Erklärungen nichts – de facto Werbung für die Bundeswehr und spielen – auch wenn ihre Aufgabe offiziell nur die Information und Bildung ist – bei der Rekrutierung junger Menschen eine wichtige Rolle. Dieses Werben und Akzeptanz schaffen für die Bundeswehr, wie sie heute ist, in Schulen lehne ich ab. Deshalb bin ich dafür, dass Jugendoffiziere keinen privilegierten Zugang zu den Schulen erhalten.

Für Bildung sind aus gutem Grund Schulen, Hochschulen, Universitäten und im erweiterten Feld Volkshochschulen und andere Bildungseinrichtungen zuständig, die Bundeswehr ist explizit nicht für Bildung zuständig. Die Bundeswehr ist ein Akteur, über den informiert gehört, der aber nicht selbst diese Information in seinem Sinne in den Schulen vornehmen sollte.

Jugendoffiziere stellen die Arbeit der Bundeswehr und die politischen Rahmenbedingungen bewusst und geschult so dar, dass die Bundeswehr an sich als notwendig und z.B. auch alle laufenden Auslandseinsätze der Bundeswehr als richtig und notwendig beschrieben werden. Es werden selbst die Auslandseinätze, die sowohl parlamentarisch als auch gesellschaftlich (heftig) umstritten sind, wie der Einsatz in Afghanistan entsprechend dargestellt. Ob die Folgen von Kriegen für die betroffenen Menschen ausreichend dargestellt werden, ist ebenfalls fraglich.

Die Anwesenheit von Jugendoffizieren in Schulen trägt zur Etablierung einer Akzeptanz des Militärischen an sich bei. Die Jugendoffiziere haben als Vertreter der Bundeswehr keine neutrale Position im Bereich der Außen- und Sicherheitspolitik. Gerade an Schulen erwecken sie diesen Eindruck der Neutralität jedoch. Das ist problematisch. Häufig wird suggeriert, sie verträten die Position der jeweiligen Regierung.

Natürlich haben die Jugendoffiziere die Aufgabe, die Bundeswehr positiv darzustellen und junge Menschen für den potenziell tödlichen Dienst bei der Bundeswehr zu begeistern. Die objektive Wirkung der Arbeit der Jugendoffiziere ist auf jeden Fall werbend für die Bundeswehr.

Dazu muss man wissen: Es gibt im Bildungsbereich den wichtigen Beutelsbacher Konsens, in dem sowohl ein Überwältigungsverbot, als auch ein Kontroversitätsgebot, als auch eine Teilnehmenden-Orientierung festgeschrieben sind. Jugendoffiziere verstoßen schon von der Anlage gegen diesen Beutelsbacher Konsens. Deshalb die Forderung, dass sie keinen (privilegierten) Zugang zu Schulen bekommen sollen. Auch jede indirekte Einflussnahme auf den Bildungssektor, z.B. durch die Erstellung von Lehrmaterialien oder die Einladung von Schulklassen in Kasernen, sollten unterbleiben.