Schriftliche Frage zum Militär-Rabbinat

Frage von Tobias Pflüger an die Bundesregierung: Aufgrund welcher Annahmen oder Quellen kommt das Bundesministerium der Verteidigung anlässlich der Einrichtung eines Militär-Rabbinats zu der Schätzung von 300 in der Bundeswehr Dienst leistenden jüdischen Soldaten (vgl. Zahlen zu evangelischen, und römisch-katholischen Christen in der Antwort auf die Kleine Anfrage zu Militärseelsorge bei der Bundeswehr, Bundestagsdrucksache 19/21437), und wie viele Bundeswehrsoldaten sind nach Kenntnis des Bundesministeriums Mitglieder einer anerkannten jüdischen Gemeinde in Deutschland?

Antwort des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Peter Tauber vom 10. November 2020:

Die Schätzung von ca. 300 in der Bundeswehr Dienst leistenden jüdischen Soldatinnen und Soldaten beruht auf einer Studie zur Militärseelsorge des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr („Militärseelsorge“, 2013). Im Rahmen dieser Studie wurde auch nach der Religionszugehörigkeit gefragt. An der Umfrage haben 7.744 Soldatinnen und Soldaten teilgenommen. Das Verhältnis zwischen der Zahl der Gesamtteilnehmenden und der Anzahl der sich zum mosaischen Glauben bekennenden Soldatinnen und Soldaten wurde auf die Streitkräfte insgesamt übertragen.

Die Schätzung von ca. 300 Soldatinnen und Soldaten jüdischen Glaubens wird durch Aussagen des Zentralrates der Juden in Deutschland gestützt, u. a. in einem Interview des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland mit der TAZ (Ausgabe vom 20. Dezember 2019).

Da aus Gründen des Datenschutzes Daten zur Religionszugehörigkeit der Soldatinnen und Soldaten nur in Verbindung mit der Verpflichtung des Arbeitgebers zur Abführung der Kirchensteuer im Rahmen des Lohnsteuerabzugsverfahrens erhoben werden, ist dem Bundesministerium der Verteidigung nicht bekannt, wie viele Soldatinnen und Soldaten einer jüdischen Gemeinde angehören.

Quelle: https://dserver.bundestag.de/btd/19/242/1924261.pdf