Grußwort an die Streikenden an der Uniklinik Freiburg

Liebe Beschäftigte an der Uniklinik,

ich schicke euch heute meine Solidarität aus Berlin. Dieser Streik ist die richtige Antwort auf die Untätigkeit des Arbeitgebers und der dahinter stehenden Landesregierung. Die Zustände Eures Arbeitsalltags sind unzumutbar und die Angebote von Seiten der Arbeitgeber beim letzten Verhandlungsversuch grenzen an Respektlosigkeit. 100 Pflegekräfte mehr – verteilt auf das ganze Land – und Pausen, die gesetzlich sowieso schon festgeschrieben sind, da wurde offensichtlich das grundlegende Problem nicht erkannt.

Dabei ist es nun wirklich nichts Neues, dass die Krankenhäuser zu gewinnorientierten Unternehmen umgebaut werden. Die Kosteneinsparungen erfolgen an den falschen Stellen: Immer weniger Pflegerinnen und Pfleger müssen möglichst viele Patientinnen und Patienten in möglichst kurzer Zeit versorgen, das ist nur möglich auf Kosten der Menschlichkeit und der Gesundheit aller. Für die Zuwendung zu den Patientinnen und Patienten, das Eingehen auf deren tatsächliche Bedürfnisse – ein wesentlicher Teil von Pflege – bleibt doch gar keine Zeit mehr. Und es kann doch nicht die Regel sein, dass Pflegerinnen und Pfleger nach wenigen Jahren aufgrund von Burnout oder Bandscheibenvorfällen nicht mehr arbeiten können.

Es ist unbegreiflich, dass diese Zustände, die ja wohl wirklich jeden einzelnen Menschen als potentiellen Patienten etwas angehen, die Verantwortlichen in der Regierung nicht zum Handeln bewegen. Die Sparpolitik der grün-schwarzen Landesregierung trägt in keiner Weise zu einer Verbesserung bei und auch auf Bundesebene passiert nichts. Bei den Sondierungsgesprächen zur Jamaika-Koalition war der Pflegenotstand noch nicht einmal Thema!

Umso wichtiger ist Euer Protest! Lasst die Verantwortlichen spüren, dass ihr nicht mehr bereit seid, weiterhin ungehört zu bleiben!

Die Linke und ich stehen an Eurer Seite. Wir unterstützen Eure Forderungen nach einer gesetzlichen qualitätsbezogenen Personalbemessung und wir tragen Euren Protest in die Parlamente.

Menschenwürdige Kranken- und Altenpflege darf keine Frage des Geldbeutels sein, sondern muss allen zur Verfügung stehen. Euer Protest ist deshalb unser Protest. Denn mehr von euch ist besser für alle!